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Naturbegegnungen

Ein neuer Morgen

Julia Heilmann-Schuricht
am
30. Juni 2016

Morgens früh um halbsechs. Die Morgensonne taucht die weißen Schäfchenwolken über mir in ein rosa Leuchten. Ich liebe diese Zeit am Tag. Draußen - still, beobachtend und fühlend, wie das Leben erwacht. Ein Gedanke zieht vorüber: "irgendwo singt ein Vogel"... eine Amsel schmettert ihren Morgengruß, alleine erst und dann, langsam setzen andere ein - zirpen, zwitschern, singen, als gäbe es einen versteckten Dirigenten. Über mir höre ich das hungrige Tschiepen der Amseljungen, die ein Nest haben auf unserem Balkon und muss daran denken, dass auch meine Kinder bald hungrig erwachen werden. Aber noch nicht jetzt. Noch schlafen alle. ...neben mir höre ich das Rauschen des Flusses. Laut noch, noch nicht überdeckt vom Lärm des Tages... Langsam gesellen sich andere Geräusche dazu. Entfernte Motorengeräusche von Menschen auf dem Weg zur Arbeit, denke ich und sende ihnen einen kurzen inneren Gruß. Wieder Stille unter dem anschwellenden Erwachen des Lebens um mich herum. Die Luft ist noch etwas kühl und frisch, wie noch nicht verbraucht. Alles neu. Alles in Erwartung eines neuen Tages.

Ich liebe diese Zeit des Tages, wenn noch nichts geschehen ist, aber alles geschehen kann und mache mich leer von den Erwartungen an diesen Tag. Mache mich leer von meinem Wissen, was an diesem Tag bereits geplant ist und atme die frische klare Luft, höre den Vögeln zu und dem Fluss.

Unendliche Freude über das Geschenk dieses Moments. Das Miterleben der täglichen Neugeburt des Lebens.

Das Rosa des Himmels verliert sich und weicht dem hellen Blau eines Sommertages. Es wird warm werden. Und Abend. Dann werde ich wieder hier sitzen und zusehen, wie alles still wird. Dazwischen liegt ein ganzer Tag. Ich begrüße ihn mit all seinen Momenten. Ich nehme ihn in mein Herz und stehe auf, um ein Teil von ihm zu sein.

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