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Kräuterhelfer: Alant und Beifuß

Julia Heilmann-Schuricht
am
17. August 2016

Alant und Beifuß

in meinem Garten wachsen viele Heilpflanzen wild, auf der Wiese, am Bachlauf oder auch am Waldrand-es gibt viele Angaben, wie man Kräuter erntet, wann der richtig Zeitpunkt hierfür ist und wie man sie verwendet. Das alles beruht auf jahrhunderte- bis jahrtausende altem Wissen und hat seinen Platz und seine Gültigkeit-ich selbst halte mich weniger an diese „Vorgaben“, sondern versuche eher auf meine inneren Impulse und die Impulse, die von den Pflanzen selbst zu kommen scheinen zu achten. Da hier alles ein wenig später zur Blüte kommt, als im Rest Deutschlands, dafür aber fast bis zum ersten Schnee Blumen und Kräuter in ihrer Kraft stehen, wären die allgemeingültigen Regeln ohnehin  schwierig zu befolgen.

In meinem Kräuterbeet wachsen die Kräuter in diesem Jahr fast in den Himmel. Ich ließ sie wachsen und „verpasste“ bei einigen von ihnen die Erntezeit, weil sie einfach zu schön waren-und es mir solch eine Freude machte, sie immer weiter wachsen und wachsen zu sehen. Gestern schließlich rief mich der Beifuß, der neben dem Alant wächst, beide fast um die Wette, weit über 2 Meter. Der Alant, mittlerweile  im dritten Jahr, ist eine der klassischen „magischen“ Pflanzen-hauptsächlich wird seine Wurzel verwendet-am besten im dritten Jahr und als ich gestern da stand-ihn ansah-halb dem Beifuß zugewendet,„sprach“ der Alant zu mir. Gespräche mit Pflanzen sind anders, als Gespräche mit Tieren und natürlich vollkommen anders, als Gespräche mit Menschen. Es ist mehr, zumindest für mich, wie eine Übertragung von Information. Für mich fühlt es sich an, als würde in diesen Momenten das Licht etwas weicher, die Luft etwas stiller-als beträte ich einen anderen Raum-„Feenzeit“, so nenne ich das innerlich und es sind keine Worte, die da ausgetauscht werden, sondern eher Gefühle, Bilder, Erinnerungen.

Das, was der Alant mir mitteilte, versuche ich in einen kurzen Text zu fassen, der wie eine Übersetzung ist für etwas, das jenseits der Worte liegt..

Er zeigte sich als „Licht-und Wärmebringer“ in Zeiten und Situationen, wo diese innere Wärme verloren ist. Und wie diese Wärme im Herbst in seiner Wurzel gespeichert würde. Er zeigt mir auch, dass er diese Information, die in ihm gespeichert ist, einfach übertragen könne, wenn der Mensch dafür offen ist. Das war wie eine Einladung und ich folgte ihr. Ich berührte ihn nicht, sondern stellte mich vor ihn und öffnete mein Energiefeld. Das ist weniger ein Aufmachen, als ein inneres „Ja“. In dem Moment spürte ich diese Wärme, ausgehend von der Pflanze, erst von vorne, dann nach unten laufend und durch die Füße in den Bauch fließen. Diese Wärme blieb hauptsächlich im Bauchraum und stieg dann in die Lungen auf, wobei ich mich daran erinnerte, dass dies auch die Bereiche sind, in denn der Alant in der Volksmedizin eingesetzt wurde und wird. Zuletzt verließ die Wärme über die Lungen meinen Körper und legte sich von außen auf die Haut. Das fühlte sich tatsächlich an wie ein goldener Schimmer. Die Art von Wärme ist wie eine bestimmte Signatur. Nicht einfach „nur“ Sonnenlicht, das gespeichet ist, nicht die Wirkstoffe, die die Pflanze in sich trägt-sondern ihre individuelle Art, dieses Licht zu verfeinern. Subtiler einfach starke Kraft-Nicht sanft oder tröstend, wie zum Beispiel das Johanniskraut, sondern reinigend und schützend. Männlich, ein wenig an einen Sonnengott erinnernd. Sie wirkte nach diese Wärme-und ich fühlte mich reich beschenkt vom Alant, bei dem ich mich tief bedankte. 

Doch eigentlich fühlte ich mich ja vom Beifuß gerufen, der direkt neben dem Alant wächst-und der „erntereif“ fast rief..“heute ist ein guter Tag".Bevor ich Kräuter schneide oder Blätter abpflücke, geht dem eine stille innere Frage voraus- so ein wenig wie: darf ich?-manchmal darf ich nicht, manchmal fühlt es sich fast an wie: ja, endlich, ich warte schon. Der Beifuß schien sehr bereit. 

Auch der Beifuß ist eine alte Heilpflanze, die besonders im Mittelalter sehr viel verwendet wurde.

Traditionell erntet man die Rispen, also bevor die Pflanze ganz aufgeblüht ist-den Beifuß verwende ich zum einen bei Essenzen-zum anderen aber zum Räuchern. Wenige Kräuter haben diese starke reinigende Kraft-ich persönlich nehme aber sowohl die Blätter, als auch die Rispen für Kräuterzöpfe, die ich flechte und anschließend trockne. Zum Zeitpunkt der Wintersonnwende und zum Jahreswechsel werfe ich etwas davon ins Feuer, gebe ein wenig ins Wischwasser oder räuchere damit das Haus.  

Der Beifuß, ganz anders, als der Atlant, ist eine sehr weibliche Pflanze- ein altes Hexenkraut, die silbrig schimmernden Rispen erinnern an Mondlicht und es ist die Intuition, das Urweibliche, was durch ihn angesprochen wird. Vielleicht ergänzen sich die beiden deswegen so gut nebeneinander. 

Ich flocht ein paar Alantblüten in die Beifußzöpfe, da eine kombinierte Räucherung gleichzeitig reinigend und aufladend wirkt. 

Ich empfehle jedem, der die Möglichkeit hat, ein wenig mit Pflanzen und Kräutern zu arbeiten, sei es, um sich Teevorräte für den Winter anzulegen oder um in Kontakt zu treten mit diesen wunderbaren Helfern. Für jede Erkrankung, für jede Bewusstseinsform, die in uns Menschen existiert, gibt es Pflanzen, die entweder diese Bewusstsein ausdrücken oder Heilung dafür bringen. Manchmal liegt die Heilung im reinen Kontakt. 

Für mich sind es wundervolle Lehrer, die dabei helfen, uns daran zu erinnern, wie sehr wir Teil von allem sind.

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