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Logbuch

Julia Heilmann-Schuricht
am
21. Dezember 2016

Und hier ist sie-die Wintersonnwende in diesem Jahr. Heute scheint hier die Sonne so strahlend vom Himmel, als würde sie sagen: es ist fast geschafft- Freu Dich..und genau das tue ich. Diesen Vormittag bin ich zwar noch sehr beschäftigt mit allem, was ich mir für die davor liegenden Tage vorgenommen hatte, was aber liegen blieb. All die letzten to do`s des alten Jahres: Abrechnungen, Post, Pakete, Weihnachtspost-alles geht leicht von der Hand-fast als würde es sich von selbst erledigen. Ein letzter Termin in der Schule: Elterngespräch und dann ist er frei, dieser besondere Tag.

Die Wintersonnenwende begehe ich seit vielen Jahren auf ähnliche Weise: Möglichst ruhig, mit einem Rückblick auf das Jahr. Ich schreibe ein paar Zettel, Dinge, die ich in diesem Jahr für mich gelernt habe, Dinge oder Situationen, für die ich dankbar bin-kleine Notizen an mein Universum, die ich dann am späten Nachmittag oder Abend ins Feuer gebe. Meistens werfe ich noch ein paar Kräuterbündel hinein und beobachte, wie die Funken fliegen, aufsteigen in die Dunkelheit-Die Rückkehr des Lichts.

In diesem Jahr fühlt es sich vollkommen anders an.

Gestern Nacht ging ich vor die Haustür, um die Stimmung einzuatmen. Sehr magisch, eigenartig, fast elektrisch aufgeladen und sehr sehr still war die Nachtluft. Ein eisiger Wind blies in den Baumkronen-Und ich machte die Augen zu, um zu lauschen. Ich kann nicht übersetzen, was ich in diesem Raunen des Windes hörte, aber es berührte mein Herz in der Tiefe. 

Ich dachte an die Ereignisse auf der Welt der letzten Tage, dachte an Berlin-All das, was sich anfühlt, wie Versuche, die Energie, die sich gerade aufbaut herabzuziehen in Angst und Terror.

Dachte an all die Wellen, die in diesem Jahr anbrandeten, und erkannte ein Muster, meinte, ein Muster zu erkennen und wurde etwas traurig. Traurig darüber, dass all diese Neugeburten nie ohne Schmerzen vonstatten gehen. Dass so viele Menschen auf der Welt im Schmerz sind, in Angst, in Armut, verzweifelt und allein. Ich atmete die eisige Nachtluft und mein Herz wurde weit. Trotz allem-oder gerade deswegen oder einfach nur, weil die Berührung mit dem Leid, dem Herz nicht die Kraft nimmt. Und dort in der Tiefe, aus der Tiefe formte sich eine Welle-eine Welle aus Mitgefühl, Liebe, Zuversicht und so etwas wie Freude. 

Ich glaube nicht an eine Welt, die anders ist und auf uns herab fällt. Mir zeigt sich ein Weg für die Menschheit, der einige Jahrzehnte dauern wird. Ein Weg, auf dem die Menschen wieder lernen, was es heißt, menschenwürdig zu leben. Eine Welt, die Schritt für Schritt aus dem Tiefschlaf aufwacht, die alten Krallen der Gier, des Geizes und des Neids abstreift und in Kontakt kommt mit ihrer Göttlichkeit. Was von heute auf morgen kommt, sind die Wellen, ist die Energie, die hierfür freigesetzt wird und wurde von all den vielen Menschen, die diese Vision in ihren Herzen halten, die Berge von Verkrustungen in sich abgetragen haben und die mehr und mehr ihr Herz werden. 

Es formt sich, es zeigt sich-doch auch immer noch und immer mehr zeigt sich die Fratze der Welt, wie sie jahrtausendelang war- zeigen sich die Wunden der Menschheit. Wenden wir uns nicht ab , sondern nehmen wir sie an. Die tiefe Annahme, das Ja dazu, ist keine Bestätigung dessen, wie sich die Welt entwickelt hat, sondern die Übernahme von Verantwortung. Ein Ja, das sagt: Ja-so waren wir. Ja, wir sind Kinder all dieser Programme, die uns glauben machten, dass wir kämpfen müssen, um zu überleben, dass wir sehen müssen, dass wir unsere Schäfchen ins Trockene bringen, dass unser Nachbar uns nicht wohlgesonnen ist.

Erst, wenn wir ganz ja dazu sagen können, dass wir genau hiervon ein Teil waren, kann die Welt wirklich heilen.

Die Wintersonnwende in diesem Jahr, die Rückkehr des Lichtes in diesem Jahr, verankert die göttlich männliche Qualität im Schoß der Göttin. Das bedeutet so viel wie eine Vereinigung, eine Versöhnung, ein ja zur Einheit des Urweiblichen und des Urmännlichen- Weit ab und fern von allen Bildern, die in uns in Bezug auf das Männliche und das Weibliche geprägt sind.

Es bedeutet nicht weniger, als das Potential einer Neuschöpfung-und das Empfangen des Samens hierfür.

Also macht Eure Herzen weit für dieses Gefühl der Unschuld-für ein Gefühl von Einheit, jenseits von Vergebung oder Schuld. 

Heute sind wir alle Kinder. Kinder des Lichtes und der Dunkelheit, bevor sie sich trennten.

In diesem Sinne,

Grüße von hier, Julia

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